20. März 2007
Impulsgeber für erfolgreiches Wirtschaften
(nar) Ein Frühlingserwachen für die Wirtschaft, für mehr Freude im Business, aber auch für mehr Verantwortung, leitete die Düsseldorfer Kommunikations- und Strategieberaterin Sabine Raiser mit der von ihr ins Leben gerufenen Veranstaltungsreihe “Drei Jahreszeiten” ein. Unterstützt von der Kamphausen-Verlagsgruppe fand die Auftaktveranstaltung am 18. März im Düsseldorfer Malkasten statt. Ein Abend für Herz und Verstand sollte es werden und Raiser hatte ihren Besuchern nicht zu viel versprochen, denn die Mischung aus musikalischer Einstimmung und inspirierendem Vortrag mit anschließender Gelegenheit zu regem Austausch sprach alle Sinne an.
Die frühlingshaften Melodien von Susana Feige (Harfe) und Nierse Conzales (klassische Gitarre), die mit freundlicher Unterstützung des Yehudi Menuhin Live Music Now Rhein-Ruhr e.V. den Abend eröffneten, stimmten Geist und Seele ein auf ein spannendes und häufig kontrovers diskutiertes Thema. Der Redner des Abends, Ulf D. Posé, Präsident des Ethikverbandes der Deutschen Wirtschaft e.V., hatte seinen Vortrag schon im Titel mit einer frischen Note - “Neue Redlichkeit in der Wirtschaft - und was uns damit blühlt” - versehen und pendelte virtuos zwischen philophischer Tiefe und humorvoller Leichtigkeit. Er kritisierte zwar einerseits den zunehmenden Hang in Gesellschaft und Wirtschaft, Verantwortung zu delegieren und sich mit besten Absichten zu begnügen, doch machte er andererseits auch Mut, sich dem komplexen Thema nicht mit verbissener Ernsthaftigkeit und übertriebener Political Correctness zu stellen, sondern aus inneren Einsichten heraus.

Sabine Raiser, Organisatorin der Drei Jahreszeiten, und Referent Ulf D. Posé
“Redlichkeit funktioniert”, davon ist Posé überzeugt und seine Zuhörer folgten seinen Gedankengängen gerne, wenngleich sie dank geschickter philosophischer Exkurse immer wieder auch an die eigenen, manchmal festgefahrenen Denkgewohnheiten erinnert wurden. Die Unterschiede zwischen Wahrheiten und Gewissheiten verschwimmen im Alltag nur allzu leicht und “vielen reicht die eigene Meinung aus”, mahnte Posé. Seine Definition von Redlichkeit: “sich unabhängig von einem sozialen System sozial verträglich verhalten”. Damit wird auch klar, warum beispielsweise Ethik-Kodizes in Unternehmen oft zur leeren Hülle verblassen, denn allein die Angst vor Strafe (die in vielen Firmen noch dazu nicht allzu ausgeprägt zu sein scheint) reicht nicht aus, um integres Handeln zu motivieren. Die Folge ist oftmals eine Ergebnisethik, bei der nur das Ergebnis zählt, oder eine Gesinnungsethik, die sich mit ihren guten Absichten zufrieden gibt.

Meet & Talk - Der Vortrag lieferte inspirierenden Diskussionsstoff
Der Weg aus diesem Dilemma führt nach Ansicht des Wirtschaftsethikers eher über eine Handlungsethik, die die Vorgehensweise ins Zentrum rückt und sich über Wege und Folgen im Klaren ist. Verzicht - oder, weniger prosaisch - selbstgewählte Grenzen sind der Schlüssel zur Integrität. Dabei zeigte Posé auch auf, dass Wertediskussionen alleine nicht weiter führen, wenn die Werte, um die es geht, nicht ausgeglichen sind. “Wir leben häufig nach Werten einer typischen Erwachsenenwelt wie Leistung, Erfolg, Reichtum und Macht. Dagegen ist auch grundsätzlich nichts einzuwenden, wenn ihnen Werte der - so möchte ich es einmal nennen - Kinderwelt zur Seite gestellt werden wie Zärtlichkeit, Wohlwollen oder auch Dankbarkeit”, so Posé. Redlichkeit bedeute dann nämlich auch, Menschen nicht auf ihre Funktionalität zu reduzieren.