Aus: Inspirieren statt motivieren!

Wenn wir unsere Bestimmung, Aufgabe und Berufung miteinander in Einklang bringen, dann ist das ein wichtiger Schritt zur Bestätigung und Vertiefung unseres Lebens.

- Lance Secretan, »inspire!«-Autor -

 

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26. Juni 2007

Gutes tun mit Gewinn - die GLS-Bank im Interview

(nar) Geld, Gewinn und Gewissen. Die GLS Bank mit Sitz in Bochum bringt Begriffe zusammen, die sich anderenorts mitunter ausschließen. So werden hier Geldgeschäfte ausschließlich unter ökologisch- und ethischbasierten Grundvoraussetzungen aktiviert. Die rund 54.000 Kunden und Kundinnen vertrauten der Bank im letzten Geschäftsjahr etwa 560 Millionen Euro an. Das entspricht einem Zuwachs von 19 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im Jahre 2006 betrug das Geschäftsvolumen 856 Millionen Euro. Die vor 33 Jahren gegründete Bank wuchs in den vergangenen Jahren jeweils um 12 bis 20 Prozent. Der Blick in die Zukunft scheint ungetrübt. Im Rahmen der Jahreshauptversammlung am 15. Juni sprach Sabine Raiser, Initiatorin von „3 Jahreszeiten – Wirtschaft im Wandel“ mit Pressesprecher Christof Lützel über den anspruchsvollen Dreiklang Geld – Gewinn – Gewissen und das abgelaufene Geschäftsjahr der GLS Bank.

Sabine Raiser: Herr Lützel, sind Sie mit dem Geschäftsjahr zufrieden?

Christof Lützel: Ja, wir sind sehr zufrieden. Gerade heute gab es einen interessanten Artikel in der Frankfurter Rundschau, aus dem hervor geht, dass in der letzten Zeit ein beachtlicher Bewusstseinswandel stattfindet. Besonders ist dieser im Bio-Boom zu bemerken. Bio-Lebensmittel, Bio-Kosmetik, aber auch die öffentliche, breit angelegte Diskussion über den Klimawandel zeugen davon. Den Klimawandel haben wir ja auch in der diesjährigen Jahreshauptversammlung mit prominenten Sprechern wie Professor Dr. Graßl, Klimaforscher, und Professor Dr. Ulrich Köpke, Universität Bonn zum Thema gemacht. Und von diesem Strom des Bewusstseinwandels profitieren wir natürlich auch. Die Menschen machen sich mehr denn je Gedanken, wie sie bewusster mit dem Thema Geld umgehen können.

Sabine Raiser: Gibt es einen Bereich, den Sie als Wachstumsmotor benennen können?

Christof Lützel: Die GLS Bank hat durchschnittlich zehn Bereiche. Das sind unter anderem der ökologische Landbau und der damit verbundene Naturkost-Handel mit seinen Läden, Fairer Handel, regenerative Energien, der Wohnbereich, der Schulbereich mit seinen freien und alternativen Einrichtungen, aber auch der Sozialbereich mit heilpädagogischen Einrichtungen. Hier in diesen Bereichen haben wir Wachstumszahlen von rund 20 Prozent. Das Wachstum ist gut verteilt, wobei man sagen kann, dass der Naturkostbereich besonders anzieht. Die Steigerungen sind auch gut verteilt auf die Bereiche Kreditvergabe sowie den Einnahmen. Die Menschen wollen verstärkt wissen, wohin ihr Geld geht und was damit geschieht. Diese Information bekommen unsere Anleger über das Kundenmagazin Bankenspiegel vorgelegt Da sehen sie, was mit ihrem Geld geschieht. Ganz konkret erfahren sie, in welche Firmen wir investieren, wo diese ihre Standorte haben und was sie produzieren. Die Kreditnehmer wissen das auch und sind damit einverstanden. Dadurch entstehen Transparenz, Qualität und Vertrauen. Und nicht zuletzt auch eine Beziehung zwischen Einlagekunden und Kreditkunden. Das hat in dieser Form noch keine andere Bank gemacht.

Sabine Raiser: In den letzten Wochen war, im Zusammenhang mit dem Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus, viel die Rede von Klein- und Kleinstkrediten. Wie stehen Banken hier in Deutschland, wie steht die GLS Bank dazu?

Christof Lützel: Wir als GLS Bank haben uns auch hier deutlich profiliert. Vor etwa zwei Jahren haben wir das Mikrofinanzinstitut Deutschland gegründet. Der Geschäftsführer sitzt hier im Haus der GLS Bank in Bochum. Wir waren die ersten und einzigen, die Klein- und Kleinstkredite an Kleinunternehmen vergeben haben. Das war ja das Erstaunliche, dass ein Hochfinanzland wie Deutschland keine Kleinstkredite vergeben hat. Auch heute ist das noch nicht Gang und Gäbe. Das ist den Banken zu teuer. Denn der Verwaltungsaufwand für einen Kredit in Höhe von 2.000 Euro ist ähnlich hoch wie der für einen Kredit in Höhe von 500.000 Euro. Bei den vergleichsweise hohen Personalkosten rechnet sich das nicht und wird daher auch nur ungern gemacht. Wir konnten das auch nur deshalb in Angriff nehmen, weil wir dafür extra einen Fonds aufgelegt haben. Daraus können dann die Kleinstkredite vergeben werden. Über den normalen Bankbetrieb könnten wir das auch nicht leisten. Die Mikrokredite werden auch nicht über die Bank direkt vergeben, sondern über unsere Kompetenzzentren.

Sabine Raiser: Wer sind denn in Deutschland Kleinstkreditnehmer?

Christof Lützel: Das sind zum Beispiel Menschen, die arbeitslos geworden sind und die aus der Arbeitslosigkeit mit eigener Anstrengung hinaus wollen, aber für sich erkannt haben, dass das über den normalen Weg nicht so läuft. So sind wir 2005 auch angetreten, weil wir diesen Menschen helfen wollten, eine neue Perspektive umsetzen zu können, ihnen mit diesen kleinen Krediten Rahmenbedingungen zu geben, mit denen sie dann aus eigener Kraft neue Wege gehen können und nicht in die Falle von Langzeitarbeitslosigkeit & Co. geraten.

Sabine Raiser: Können Sie uns ein Beispiel geben?

Christof Lützel: Ja, in Berlin hatten wir eine junge Dame, die die Idee hatte, für private Feste wie Hochzeiten, Geburtstage, Taufen oder Trauerfälle selbst gebackene Kuchen und Torten nach Wunsch anzubieten. Das entwickelte sich großartig, so dass sie später auch für öffentliche Events diese Dienstleistung erbringen konnte. Das andere war ein junger Mann, der sich T-Shirts kaufte und diese mit individuellen Wunschmotiven bedruckt hat.

Sabine Raiser: Wie hoch sind die benötigten Kredite für solche Geschäftsideen wie die mit den Kuchen?

Christof Lützel: Durchschnittlich liegen diese Kredite bei 5.000 bis 10.000 Euro. Die Obergrenze ist bei etwa 12.000 Euro. Wir hatten auch schon mal einen Kreditwunsch von nur 4.000 Euro. Zum Teil haben sich da schöne kleine Firmen entwickelt.

Sabine Raiser: Wie bekommt man konkret einen solchen Kleinstkredit?

Christof Lützel: Diese Kleinstkredite bekommt man über die Kompetenzzentren. Daher ist es auch wichtig, dass der Kreditnehmer in der Nähe eines solchen Kompetenzzentrums liegt. Denn hier wird er beraten und im Verlauf betreut. Die Berater fahren auch schon mal in den neuen Betrieb und schauen, wie es läuft. Der Kreditnehmer wird nicht alleine gelassen. Es ist ja davon auszugehen, dass er kein Profi-Unternehmer ist und daher viele potenzielle Fallen gar nicht vorhersehen kann. Einen solchen Aufwand kann und wird sich eine normale Bank gar nicht leisten. Das ist so kundenfreundlich und einzigartig, dass wir natürlich mehr Anfragen haben, als wir aus dem Fonds bedienen können.

Sabine Raiser: Bieten Sie neben Fonds und Krediten auch ein normales Sparbuch oder Sparbriefe an?

Christof Lützel: Ja, seit 2003 haben wir unsere Angebotspalette aufgestockt und bieten auch Sparbriefe und Sparkonten an. Das heißt, die Kunden können mit kleinem Geld bei uns einsteigen. Damit können sie bei ihrer Geldanlage immer auch mit entscheiden, wohin ihr Geld geht. Ganz gleich wie hoch die Einlage ist. Für junge Leute im Alter von 18 bis 27 Jahren haben wir ein kostenfreies Girokonto. Die Kunden können entscheiden, ob sie den Bereich regenerative Energien oder Bio-Lebensmittel oder reformpädagogische Einrichtungen mitfinanzieren wollen. Unsere Anleger kreuzen einen unserer Bereiche an und dahin fließt ihr Geld. Das ist neben der Transparenz ein weiterer Pluspunkt. Das ist auch möglich, ohne einen größeren Betrag in Fonds anzulegen. Und vor allem mit hundertprozentiger Rückgabegarantie plus kleinen Zinsbeträgen. Das ist interessant für ganz sicherheitsorientierte Kunden, die keine Fonds wollen. Jeder Fonds ist ja immer auch von der Entwicklung der Börsen abhängig - im Guten wie im Schlechten.

Sabine Raiser: Das aktuelle Thema der Düsseldorfer Initiative „3 Jahreszeiten – Wirtschaft im Wandel“ heißt „Geld – Gewinn – Gewissen“, ein Dreiklang, zu dem Ihnen als Pressesprecher der GLS Bank sicher auch ein passender Schlusssatz einfällt.

Christof Lützel: Ja, gerne. Wir als Bank verdienen natürlich Geld und machen zum Glück Gewinne. Gute Gewinne, keine Frage. Und wir gehen anders mit Geld um. Deshalb erzielen wir Gewinne, ohne ein Gewissen zu belasten. Im Gegenteil, könnte man sagen. Weder das Gewissen der Bank-Mitarbeiter wird belastet noch das der Kreditgeber. Ich stehe voll hinter jedem der rund 4.000 Kredite, die wir derzeit vergeben haben. Da ich im Redaktionsteam des Bankenspiegels bin, habe ich einen guten Einblick darüber. Als Schlusswort lässt sich sagen, dass es sehr wohl möglich ist, gute Gewinne zu erzielen und dabei in jeder Hinsicht ein gutes Gewissen zu haben. Es ist wie so oft der Umgang mit einer Sache, der ihren Wert ausmacht.

Sabine Raiser: Herr Lützel, ich bedanke mich für das Gespräch und wünsche Ihrem Haus und Ihren Kunden weiterhin viel Erfolg.

www.gls.de
www.drei-jahrezeiten.de

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