5. November 2007
Drei Jahreszeiten: Jesus für Manager
(nar) Nach der Saat und dem Wachstum kommt die Ernte - in der Natur wie im Leben. Mit ihrer Veranstaltungsreihe “Drei Jahreszeiten - Wirtschaft im Wandel landete die Düsseldorfer Kommunikationsberaterin Sabine Raiser jedenfalls einen vollen Erfolg. Im Frühjahr gestartet, hat sich das Event für alle Sinne längst über Düsseldorf hinaus einen Namen gemacht, denn immer mehr Menschen interessieren sich für ein neues Denken im Business und suchen den Austausch unter Gleichgesinnten. Und genau hier liegt das Besondere der “Drei Jahreszeiten”, denn Sabine Raiser ist es mit den gemäß dem Jahreszyklus drei Veranstaltungen nicht nur gelungen, hochkarätige Referenten in den Düsseldorfer Malkasten einzuladen, sondern sie hat auch einen Raum geschaffen, in dem sich Ideen entfalten können. Das besondere Ambiente der Veranstaltungsreihe - musikalische Darbietungen regionaler Künstler zur Einstimmung und Gespräche bei Wein und Häppchen zum Ausklang - stößt auf wachsende Resonanz, so dass das Herbst-Event sogar ausverkauft war.
Ernten, ohne zu säen
Den Herbst-Vortrag hielt »inspire!«-Autor Paul J. Kohtes, der unter dem Titel “Ernten, ohne zu säen” nicht nur “Neues aus dem Neuen Testament für Manager” vorstellte, sondern seine Zuhörer auch mit neuen Sichtweisen auf alte Business-Probleme konfrontierte. Am Beispiel der biblischen Geschichte von den anvertrauten Zentnern stellte er die Frage, für wen die Wirtschaft eigentlich Mehrwert generiere. “Wenn es nur um persönliche Bereicherung geht, ist das langfristig das Ende des Kapitalismus”, ist Kohtes sich sicher. Sein Vorschlag für eine neue Perspektive: “Wir müssen eine Logik des Gebens verwirklichen.” (Unser Foto zeigt Paul J. Kohtes und Sabine Raiser. Foto: Renate Resch-Rüffer.)
Damit möchte der erfolgreiche Kommunikationsberater kein neues Gutmenschentum heraufbeschwören, sondern vielmehr zu einem Denken unter neuen Vorzeichen einladen. Wer nur sät, um zu ernten, oder eben nur etwas gibt, um dafür eine Gegenleistung zu erhalten, manövriert sich allzu leicht in ein Dilemma. Kohtes gibt sich nicht als Kapitalismuskritiker, sondern richtet lieber den Blick auf die psychologische Dimension, die im Business nur allzu leicht übersehen wird. “Wenn wir etwas unbedingt haben wollen, geraten wir unter Druck, es auch tatsächlich haben zu müssen. Doch wenn wir es schaffen, genau diesen Druck des Haben-Müssens herauszunehmen, können sich die Dinge - oft zu unseren Gunsten - entwickeln”, sagt Kohtes.
Es geht auch anders
“Je weniger Sie wollen, umso mehr bekommen Sie”, lädt Kohtes ein zu einem neuen Blickwinkel. Eine Sichtweise, die für auf Quartalszahlen getrimmte Manager sicher gewöhnungsbedürftig ist, aber auch sehr viel für sich hat, denn die typische Management-Perspektive, mit ein paar Tools und Methoden gewünschte Ziele 1:1 erreichen zu können, stößt in der Realität schnell an seine Grenzen. “Neun von zehn Produktneueinführungen scheitern”, hält Kohtes denn auch eher leistungsbezogenen Kritikern entgegen. Das heißt unter dem Strich: Der Erfolg lässt sich nicht erzwingen - egal wie viel Arbeit und Energie man investiert.
Die Dinge sich entwickeln lassen
Paul Kohtes hat für seine Zuhörer keine Geheimrezepte parat. Er sieht sich auch nicht als Prediger, sondern möchte lediglich ein paar neue Gedanken in alte Diskussionen bringen. “Wenn wir nur säen, um zu ernten, enden wir in einem kalten Funktionalismus. Und genau hier liegt die Gefahr der Globalisierung”, sagt er. Eine Gefahr, die sich nicht nur in schlechten Arbeitsbedingungen und Armut in der so genannten Dritten Welt zeigt, sondern die durch die immer enger werdenden Beziehungen sich auch längst in den Industrienationen der Ersten Welt manifestiert, beispielsweise wenn durch nüchternes Kalkül immer mehr Arbeitsplätze in Niedriglohnländer verlagert werden und die eigene Volkswirtschaft dann unter dem Backlash ihrer eigenen Arbeitslosigkeit leidet.
Die in der biblischen Geschichte von den anvertrauten Zentnern inhärente Weisheit, die Kohtes für seine Zuhörer herausdestillierte, ist alltagspragmatisch und businesstauglich zugleich. “Wenn wir nicht nur um ein Haben-Müssen kreisen, sondern auch ein Haben-Können oder Haben-Dürfen in Erwägung ziehen, können wir alles erreichen. Das einzige, was wir dazu brauchen, ist der Mut, die Dinge sich öfter einmal aus sich heraus entwickeln zu lassen”, so sein Vorschlag.
Weitere Informationen: Webseite Drei Jahreszeiten