11. August 2008
Naikan - neue Wege im Justizvollzug
(nar) Nicht mehr andere für die eigene Situation verantwortlich machen, sondern sich der eigenen Handlungen bewusster werden - das ist eines der Ziele von Naikan im Justizvollzug. Bei dieser japanischen Methode der Innenschau ziehen sich die Praktizierenden für eine Woche in die Stille zurück und beschäftigen sich mit einzelnen Lebensabschnitten und für sie wichtigen Personen, indem sie sich fragen, was sie selbst für diese Menschen getan haben und wo sie ihnen Schwierigkeiten bereitet haben. Der Effekt ist verblüffend, denn die intensive Phase des Rückzugs lässt viele Menschen oft erstmals erkennen, dass nicht andere an ihrer persönlichen Situation “schuld sind”, sondern sie selbst.
Nicht zuletzt diese kathartische Wirkung, die Verdrängungsmechanismen überwindet, macht Naikan für den Strafvollzug so interessant. So berichtet die Zeitschrift “Forum Strafvollzug” in ihrer aktuellen Ausgabe über einen Kongress zu Naikan im Justizvollzug, an dem rund 100 Teilnehmer aus elf Bundesländern an der Evangelischen Akademie in Loccum teilnahmen. In manchen Vollzugsanstalten wird schon seit Jahren mit Naikan gearbeitet - mit großem Erfolg. Dort, wo Psychologen oft nicht zu Tätern vordringen können, entwickeln diese in der Stille oft neue Selbsterkenntnisse und wachsen in eine verantwortungsvollere Perspektive. Eine wissenschaftliche Studie aus Japan, dem Herkunftsland von Naikan, belegt bereits, dass die Rückfallquote entlassener Straftäter, die während ihrer Haftzeit Naikan praktizierten, gegenüber anderen um 23,6 Prozent sank.
Auch in alltäglicheren Kontexten beweist Naikan immer wieder seine Stärken. So setzen immer mehr Führungskräfte auf die Methode, um ihre Leadership-Qualitäten zu stärken. Die Managerin Lena Meichsner beispielsweise beschreibt in einem Artikel, wie Naikan als konstruktiver Wegbegleiter im Management eingesetzt werden kann.
Weitere Informationen zu Naikan: www.naikan.de